Dr. Karsten Rudolph
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Allgemein (14. Dezember 2004)

Ein Schüler duzt den SPD-Landtagsabgeordneten sofort

Der folgende Artikel ist in der WR Hattingen am 08.12.2004 anläßlich eines Besuchs von Karsten Rudolph im Gymnasium Waldstraße in Hattingen erschienen:

“In der Politik geht es nicht um Wahrheit, sondern um Klugheit,” erfahren Schüler des Gymnasiums Waldstraße. Der SPD-Politiker Dr. Karsten Rudolph ist Gast eines Sowi-Kurses. 18 Schüler wollen wissen: “Warum sollen wir eigentlich wählen gehen?”

“Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass ihr einen Politiker leibhaftig vor euch habt”, stellt Lehrer Dieter Schäfer fest. Zustimmung, erste, schüchterne Fragen der 16- bis 17-Jährigen.

Rudolph, 42, stellvertretender SPD-Landesvorsitzender, kommt jugendlich daher, rhetorisch geschult. “Wie bist du zur Politik gekommen?”, will ein Schüler wissen, der vor kurzem ein von den Jusos organisiertes Praktikum im Landtag absolvierte. Erstaunen im Kurs ob der Vertrautheit. “In der SPD duzen sich alle”, erklärt Rudolph. Er sei Schülersprecher gewesen, wollte etwas bewegen, so die Antwort: “Bei meiner ersten Parteisitzung sammelte ich Unterschriften gegen den Atomausstieg. Eigentlich ein Affront. Damals war die SPD für Atomkraft”, erzählt der frühere Juso-Vorsitzender.

Klare Repliken hat Rudolph, der 2002 für Clement in den Landtag nachrückte, darauf, warum man überhaupt wählen sollte: “Wer nicht wählt, wird bestimmt.” Wahlrecht sei nicht selbstverständlich: “Frauen durften lange nicht wählen. Bis 1989 waren die Wahlen in Ostdeutschland nicht demokratisch. Seht euch an, was jetzt in der Ukraine passiert.”

Spannend wird es, als Rudolph zu konkreten landespoltischen Problemen Stellung nimmt: Die Finanzlage im Land sei sehr schwierig. Bei seiner Landtagstätigkeit hätte er “vor allem gelernt, wie abhängig Politik vom Geld ist. Alle Gruppierungen, Polizei, Schule, etc. wollen keine finanziellen Kürzungen.” Das müsse mit Schulden finanziert werden.

Ein Schüler möchte wissen, ob Rudolph Entscheidungen mitgetragen habe, die er falsch fand. Das gehöre zur Politik, sagt er: “Es gibt immer mehrere Wahrheiten.”

In der Nachbesprechung sagen die Schüler später: “Er hat Werbung für die Politik gemacht, keine ausweichenden Antworten gegeben.” Lehrer Dieter Schäfer aber regt an: “Bei manchen Fragen hätte ich mir gewünscht, dass ihr mehr nachhakt.”


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